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Nudelstern … ein KI-Kurzfilm, über Nacht gerechnet auf einem Schreibtischrechner

by Franz-Philipp Kraushofer
Goldgelbes Raumschiff in Form einer Spiralnudel mit leuchtenden Fenstern vor einem gestreiften Gasriesen
Die Nudelstern – das Raumschiff in Form einer Spiralnudel. KI-generiert mit Z-Image Turbo.

Durch das All gleitet ein Raumschiff in Form einer Spiralnudel. An Bord sind die Nudeln aus, und Mechaniker Zib hat eine Idee: Er taut gefrorene Fotos in der Mikrowelle auf. Dabei werden sie zu Videos. Erst Spaghetti, dann eine Katze, dann ein Foto, auf dem er selbst zu sehen ist.

Nudelstern ist ein 88 Sekunden langer Kurzfilm mit Bild, Sprache und Geräuschen. Geschichte, Kameraplanung, Storyboard und alle Prompts wurden von Hand geplant. Bilder, Bewegungen, Stimmen und Geräusche kommen aus generativen KI-Modellen, die lokal auf einem kleinen KI-Rechner im Labor laufen. Der Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wie das funktioniert, erklärt die Grundbegriffe generativer KI für Einsteigerinnen und Einsteiger und beschreibt, was gut lief, was nicht und warum der Film selbst hier nicht zu sehen ist.

Überblick

Motivation und Zielsetzung

Generative KI kann heute nicht nur Bilder, sondern ganze Videoclips mit Ton erzeugen – aus einem Satz Text, einem Foto oder einem Storyboard-Bild. Was in Demos beeindruckend aussieht, wirft für die Medienproduktion viele Fragen auf: Kann man damit eine Geschichte erzählen, die über einen einzelnen Clip hinausgeht? Bleiben Figuren von Einstellung zu Einstellung gleich? Wer entscheidet über Kamera, Schnitt und Timing – das Modell oder die Regie? Und was darf man mit dem Ergebnis eigentlich machen?

Das Projekt Nudelstern sollte diese Fragen praktisch beantworten. Ziel war ein vollständiger Kurzfilm mit Anfang, Mitte und Pointe, mit wiedererkennbaren Figuren, gesprochenen Dialogen auf Deutsch und Geräuschen, erzeugt vollständig lokal auf einem Rechner im Labor, ohne Cloud-Dienst. Jeder Arbeitsschritt sollte als Datei und Skript nachvollziehbar und wiederholbar sein, damit der Ablauf auch in der Lehre eingesetzt werden kann.

Bewusst nicht Ziel war ein möglichst glatter, „perfekter“ Film. Die Geschichte nimmt das Medium selbst aufs Korn, der Look darf deshalb sichtbar nach Knetmasse, Render und Handykamera aussehen.

Die Geschichte: Fotos auftauen

Ein Alien-Mechaniker taut in der Bordmikrowelle gefrorene Fotos auf, die dabei zu Videos werden – bis er das Foto findet, auf dem er selbst ist.

Der Film ist nach den klassischen Regeln für kurze Komödien gebaut: ein einziger komischer Kern, ein Einstieg, der sofort eine Frage stellt, eine Eskalation nach der Dreierregel – zweimal läuft das Muster gleich, beim dritten Mal kippt es –, eine Wendung nach etwa zwei Dritteln und danach genau eine Schlusspointe.

Zeitleiste der 13 Clips, gegliedert in Einstieg, Eskalation, Wendung und Pointe
Aufbau in vier Teilen über 13 Clips und 88,4 Sekunden.

Akt 1 – Der Einstieg: Was hat Zib aufgetaut?

Das Spiralnudel-Raumschiff gleitet durchs All, in der Bildmitte Platz für den Titel

Tag 412

„Logbuch der Nudelstern, Tag vierhundertzwölf. Die Nudeln sind alle.“ Aus der Bordküche kommt ein Ping.

Kapitän Blorp, ein lila Alien mit drei Augen, setzt im Raumschiffgang seinen silbernen Kugelhelm auf

Der Helm quietscht

Kapitän Blorp öffnet seine drei Augen nacheinander, setzt den Helm auf – und der quietscht bei jedem Schritt. Niemand weiß, warum.

Der kleine grüne Mechaniker Zib hält mit vier Armen einen Teller mit einem bereiften Foto vor der Mikrowelle

Das letzte Abendessen

Zib steht vor der Mikrowelle, ein bereiftes Spaghetti-Foto auf dem Teller: „Das letzte Abendessen aus dem Gefrierfach. Ich habe es aufgetaut.“

Storyboard-Frames. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.

Akt 2 – Die Eskalation: Spaghetti, Katze und dann sie selbst

Nahaufnahme eines Sofortbildfotos mit Spaghetti und Reif am Rand auf einem Teller

Kein Abendessen

Die Spaghetti zappeln, eine Nudel winkt. Blorp: „Das ist kein Abendessen. Das ist ein Standbild. Und jetzt ist es ein Video.“ Zib: „Kann man das essen?“ – „Nein. Aber man kann es posten.“

Zib schiebt ein gefrorenes Katzenfoto in die Retro-Mikrowelle

Die Katze

Zib gibt nicht auf: das nächste Foto, eine Katze. Ping. Sie streckt sich und miaut. Blorp: „Hör auf. Das Universum hat genug Katzenvideos.“

Gefrorenes Foto, das die Bordküche mit Blorp und Zib zeigt

Das letzte Foto

Auf dem letzten Foto: die Bordküche, ein lila Kapitän mit drei Augen, ein grüner Mechaniker mit vier Armen. „Zib. Wenn das das Foto ist …“ – „… was sind dann wir?“

Storyboard-Frames. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.

Akt 3 – Wendung und Pointe: Die Küche ist ein Render

Monitor mit der Bordküche als 3D-Szene in der Blender-Oberfläche, Blorp und Zib stehen still im 3D-Fenster

Render fertig

Ping. Die Küche steht still auf einem Monitor, mitten in Blender. Die Kamera fährt zurück ins Multimedialabor, davor sitzt eine Studentin: „Render fertig. Die Aliens sind aufgetaut.“

Rückenansicht der Studentin vor dem Monitor, von rechts reicht eine Hand mit weißer Tasse ins Bild

Die Frage des Kollegen

Eine Hand mit Kaffeetasse schiebt sich ins Bild: „Und warum quietscht der Helm?“ – „Das fixen wir in der Post.“

Kapitän Blorp blickt mit allen drei Augen direkt in die Kamera

Ich habe das gehört

Auf dem Monitor dreht Blorp den Kopf und sieht mit allen drei Augen direkt in die Kamera. Der Helm quietscht. „Ich habe das gehört.“

Storyboard-Frames. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.

Was früh gesetzt wird – und wo es aufgeht

GesetztEingelöst
Der Helm quietscht, niemand weiß warum (Clips 2 und 4)Ein Tonfehler im Render: „Das fixen wir in der Post“ (Clip 12), letzter Quietscher (13)
Auftauen macht aus einem Foto ein Video (3, 4, 7)Die Aliens stehen selbst still, als Szene in Blender, und laufen erst nach dem Rendern (10)
Das Ping der Mikrowelle (1, 7, 9)Dasselbe Ping meldet im Labor das Render-Ende (10) – die Tonbrücke zwischen Küche und Labor
Blorps drei Augen öffnen sich nacheinander (1, 5)Er sieht mit allen dreien in die Kamera (13)

Die zweite Ebene

Nudelstern ist ein KI-Film über generierte Bilder. „Auftauen“ ist die Metapher für das, was ein Bild-zu-Video-Modell tut: Es nimmt ein Standbild und lässt es sich bewegen. Die Figuren entdecken im Lauf der Geschichte, dass sie selbst nur ein solches Bild sind, und die Wendung zeigt den Ort, an dem der Film tatsächlich entstanden ist: ein Multimedialabor, ein kleiner Rechner, der „warm wie eine Mikrowelle“ neben dem Monitor summt. Der quietschende Helm wird zum Tonfehler, den man „in der Post“ fixen will, und Blorps letzter Satz richtet sich an alle, die über den Film reden – auch an das Publikum.

Figuren, Orte und zwei Looks

Damit ein Videomodell Figuren über 13 Clips hinweg gleich darstellt, braucht es verbindliche Vorlagen. Für jede Figur und jeden Ort gibt es deshalb eine kurze, feste Beschreibung – die „Figurenbibel“ – und ein Referenzbild. Kapitän Blorp ist groß, schlank und lila, hat drei Augen in einer Reihe, einen silbernen Kugelhelm mit Antenne und eine tiefe, ruhige Stimme. Mechaniker Zib ist klein, birnenförmig und hellgrün, hat vier Arme, eine Schweißerbrille auf der Stirn und eine hohe, eifrige Stimme. Von den Menschen im Labor sieht man nie ein Gesicht: die Studentin nur von hinten, den Kollegen nur als Hand mit Tasse.

Die Figurenbilder entstanden zuerst aus Text mit dem Bildmodell Z-Image Turbo. Aus den besten Varianten wurden mit Qwen-Image-Edit Figurenblätter gebaut – dieselbe Figur von vorne, seitlich und von hinten auf neutralem Grund. Diese Blätter sind später die wichtigste Referenz für das Videomodell.

Figurenblatt von Kapitän Blorp von vorne, seitlich und von hinten
Figurenblatt Blorp. KI-generiert mit Z-Image Turbo und Qwen-Image-Edit-2511.
Figurenblatt des grünen, vierarmigen Mechanikers Zib aus drei Ansichten
Figurenblatt Zib. KI-generiert mit Z-Image Turbo und Qwen-Image-Edit-2511.
Studentin mit dunklem Pferdeschwanz, Kopfhörern und blauem Kapuzenpulli von hinten
Die Studentin – nur von hinten. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Hand mit grauem Strickärmel hält eine weiße Tasse
Der Kollege – nur Hand und Tasse. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Cockpit der Nudelstern mit Kapitänssessel
Cockpit. KI-generiert mit Z-Image Turbo.
Runder Raumschiffgang im Knetmasse-Look
Gang. KI-generiert mit Z-Image Turbo.
Runde Bordküche mit Retro-Mikrowelle, Gefrierfach und Bullauge
Bordküche. KI-generiert mit Z-Image Turbo und Qwen-Image-Edit-2511.
Bordküche mit Blorp und Zib nebeneinander
Bordküche mit Figuren. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Bereiftes Sofortbildfoto mit Spaghetti
Gefrorenes Foto 1: Spaghetti. KI-generiert mit Z-Image Turbo und Qwen-Image-Edit-2511.
Bereiftes Sofortbildfoto mit einer Katze
Gefrorenes Foto 2: Katze. KI-generiert mit Z-Image Turbo und Qwen-Image-Edit-2511.
Bereiftes Sofortbildfoto, das die Bordküche mit Blorp und Zib zeigt
Gefrorenes Foto 3: sie selbst. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Monitor mit der Blender-Oberfläche, im 3D-Fenster die Bordküche mit den Figuren
Die Küche als Szene in Blender. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.

Zwei Welten, zwei Looks – mit Absicht trashig

Zib steht in der runden Bordküche im Knetmasse-Look und hält ein Foto mit mehreren Armen

3D-Welt wie aus Blender

Weiche, runde Formen, matte Knete mit Fingerabdrücken und Nähten, leicht schiefe Kulissen, flaches Licht, eine etwas wackelige Kamera.

Multimedialabor spät abends mit Dachschrägen, Holztischen, roten Stühlen und blau leuchtenden Rechnern

Labor wie vom Handy gefilmt

Das Multimedialabor spät abends, Monitorlicht, leichtes Rauschen, Autobelichtung, Handkamera. Menschen nur von hinten.

Links: KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511. Rechts: nach einem Foto des Multimedialabors. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.

Der Bruch zwischen den beiden Looks ist die Wendung des Films: vorher Render, jetzt „echt“. Das Labor im Film ist nach einem Foto des realen Multimedialabors gestaltet – mit Dachschrägen, Holztischen, roten Stühlen und blau leuchtenden Rechnern.

Konzept und Umsetzung

Maschine und Modelle

Alles läuft lokal auf einer NVIDIA DGX Spark, einem KI-Rechner in der Größe eines Mini-PCs mit 128 GB gemeinsamem Speicher für Prozessor und Grafikeinheit. Darauf läuft ComfyUI in einem Docker-Container – eine Oberfläche, in der man KI-Abläufe als Graph aus Bausteinen zusammensteckt. Es wurden nur Bausteine aus dem ComfyUI-Kern verwendet, keine Erweiterungen von Drittanbietern.

AufgabeModellLizenz
Figuren und Orte aus TextZ-Image Turbo, 8 SchritteApache 2.0
Bilder bearbeiten, StoryboardQwen-Image-Edit-2511 (fp8) + Lightning-LoRA, 4 SchritteApache 2.0
Video-Entwurf mit TonFastH3 8-Step (aus MiniMax H3 destilliert)H3 Community License
Video mit Referenzbildern und StimmeMiniMax H3 ref2va / fl2vaH3 Community License
Textencoder für H3Qwen3-VL 32B (NVFP4)Apache 2.0
AusweichwegWan 2.2 14B Bild-zu-Video (nicht benötigt)Apache 2.0

Der Workflow: von der Idee bis zum Film

Jede Stufe hat eine Datei. Geschichte, Kameraregeln, Figurenbibel und Storyboard sind Textdokumente; Python-Skripte erzeugen daraus die Prompts und schicken die Rechenaufträge über die Programmierschnittstelle an ComfyUI. Im Browser muss dafür niemand auf „Run“ klicken. Das macht jeden Durchgang wiederholbar: gleiche Dateien, gleiche Seeds, gleiches Ergebnis.

Kameraplan: Regeln statt Zufall

Senkrechte Aufsicht auf ein bereiftes Spaghetti-Foto auf einem Teller, gehalten von grünen Fingern
Fotos: senkrecht von oben. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Kapitän Blorp leicht von unten gesehen, trockener Gesichtsausdruck
Auf Blorp: von unten. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Blick über die Schulter der Studentin auf Tastatur und Monitor
Labor: über die Schulter. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Kapitän Blorp blickt mit allen drei Augen direkt in die Kamera
Clip 13: in die Linse. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.

Ohne solche Regeln würfelt ein Videomodell Blickrichtungen und Bildseiten bei jedem Clip neu. Die Regeln stehen deshalb nicht nur im Planungsdokument, sondern wörtlich in jedem Prompt.

Storyboard: 24 Frames für 13 Clips

Übersicht aller 24 Storyboard-Bilder des Kurzfilms in einem Raster
Das komplette Storyboard. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.

Für jeden Clip gibt es ein bis drei Storyboard-Bilder, erzeugt mit Qwen-Image-Edit aus den Figuren- und Ortsbildern, in exakt der Größe des späteren Videos (1344 × 768). Im Videomodell dienen sie als Start- und Ankerbilder: Das Modell muss zu einer bestimmten Sekunde genau dieses Bild treffen und rechnet die Bewegung dazwischen. Damit legen die Frames Komposition, Blickrichtung und Bildgröße fest.

Korrekturen: Fehler im Standbild landen im Video

Bildmodelle machen typische Fehler, und ein Videomodell übernimmt sie in die Bewegung. Jeder Anker-Frame wurde deshalb geprüft und, wo nötig, mit einer gezielten Bearbeitungsanweisung in Qwen-Image-Edit korrigiert.

Vorher-Nachher-Vergleich: links doppelte Küchenzeile, rechts korrigierte Küche
Zwei Küchenzeilen übereinander und ein Blick in die Linse – korrigiert. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Vorher-Nachher-Vergleich: links Blorp mit zwei Augen, rechts mit drei
Nur zwei Augen – das dritte nachträglich eingesetzt. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Vorher-Nachher-Vergleich: links rutscht Zibs Brille über die Augen, rechts sitzt sie auf der Stirn
Die Schweißerbrille rutscht in der Aufsicht über Zibs Augen. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.
Vorher-Nachher-Vergleich: links Helm mit zwei Antennen, rechts mit einer
Erste Fassung mit zwei Antennen, jetzt eine. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.

ComfyUI: der Film als Baukasten

ComfyUI ist ein Node-Editor: Jeder Baustein (Node) macht genau eine Sache – ein Modell laden, Text übersetzen, entrauschen, speichern. Kabel verbinden die Bausteine und transportieren Datentypen wie Modell, Conditioning, Latent, Bild oder Ton. Für Nudelstern gibt es vier Graphen.

ComfyUI-Graph für die Bildbearbeitung mit Qwen-Image-Edit
Screenshot des ComfyUI-Graphen aus dem Projekt.

Qwen-Image-Edit mit Lightning-LoRA: bis zu drei Eingangsbilder und eine Bearbeitungsanweisung, 4 Schritte, 14 bis 42 Sekunden pro Bild.

ComfyUI-Graph für den schnellen Videoentwurf mit Ankerbildern
Screenshot des ComfyUI-Graphen aus dem Projekt.
Ausschnitt des FastH3-Graphen mit Lade-, Einstell- und Anker-Nodes
Detail: Laden, Einstellen, Bild und Anker.

Der schnelle Entwurf: 8 Schritte, Storyboard-Frames als Anker zu festen Sekunden, Bild und Ton in einem Durchgang. Rund 7 bis 10 Minuten pro HD-Clip.

ComfyUI-Graph für Video mit Referenzbildern und Stimmreferenz
Screenshot des ComfyUI-Graphen aus dem Projekt.
Ausschnitt des Referenz-Nodes mit Bild- und Audioeingängen
Detail: der Referenz-Node.

Die ausführliche Fassung: bis zu neun Referenzbilder (Figurenblätter, Orte) und eine Stimmreferenz, dazu Anker-Frames. 20 Schritte, rund 26 bis 35 Minuten pro HD-Clip.

ComfyUI-Graph für die Erzeugung einer Sprechprobe
Screenshot des ComfyUI-Graphen aus dem Projekt.

Eine kurze Sprechprobe pro Figur, erzeugt aus einer Textbeschreibung der Stimme. Sie dient in jedem Clip als Stimmreferenz.

Prompts und Stimmen

Für Videos reichen keine Ein-Satz-Prompts. Jeder Clip bekommt eine strukturierte Beschreibung mit Zeitmarken: welche Einstellung wann beginnt, wer im Bild ist, wie die Kamera steht, was gesprochen wird und welche Geräusche zu hören sind. Gesprochenes steht wörtlich auf Deutsch im Prompt. Das ausführliche Format für Referenz-Clips hat sechs Abschnitte – von der Zuordnung „Figur 1 ist die Figur aus Bild 1“ bis zur Geräuschkulisse.

[Shot 4] At 00:05.600, the camera cuts to a low angle close shot of Captain Blorp,
the round grey kitchen door behind him, static camera, deadpan …
At about 00:05.800 Captain Blorp with a deep, calm, official male voice … (S1) says:
<d>[German] Hör auf. Das Universum hat genug Katzenvideos.</d>
Zib is off-screen and silent.
Auszug aus dem Prompt für Clip 7. Prompts sind englisch, Dialoge deutsch.

Ohne Vorgabe klingt Blorp in jedem Clip anders. Deshalb wurde für jede der vier Figuren zuerst eine kurze Sprechprobe erzeugt – nicht aufgenommen, sondern aus einer Textbeschreibung der Stimme generiert. Es wurde keine Stimme einer realen Person geklont. Diese Probe hängt danach an jedem Clip der Figur als Stimmreferenz. Zwei weitere Regeln haben sich bewährt: Pro Clip spricht höchstens eine Figur, und Geräusche wie Quietschen, Ping und Miauen werden als Geräusche beschrieben, nicht als Sprecher.

FigurStimme (Beschreibung)Satz der Sprechprobe
Kapitän Blorptief, ruhig, offiziell„Hier spricht Kapitän Blorp. Alle Mann bitte in die Küche.“
Mechaniker Zibhoch, eifrig„Ich hab den Antrieb repariert. Fast ganz, ehrlich!“
Studentintrocken„Ich speicher das noch schnell, dann geh ich heim.“
Kollegeneugierig„Sag mal, ist da noch Kaffee in der Kanne?“

Rechnen über Nacht

Der Film wurde in drei Durchgängen gerechnet, nacheinander in einer Warteschlange: zuerst ein schneller Entwurf aller 13 Clips mit FastH3 in HD, dann die ausführliche Fassung mit Referenzbildern und Stimmen in kleiner Auflösung, zuletzt dieselbe Fassung in HD. Die Zeiten stammen aus den Zeitstempeln der Ausgabedateien.

DurchgangEinstellungenDauer (13 Clips)Strom (≈ 90 W)
FastH3 HD1344×768, 8 Schritte, Storyboard-Anker≈ 1 h 50 min≈ 0,17 kWh
H3 ref2va klein864×480, 20 Schritte, Referenzen + Stimme≈ 1 h 45 min≈ 0,16 kWh
H3 ref2va HD1344×768, 20 Schritte, Referenzen + Stimme≈ 5 h 30 min≈ 0,50 kWh
Sprechproben4 Proben à ≈ 4 min≈ 16 min≈ 0,02 kWh
Gesamt≈ 9,4 h≈ 0,85 kWh

Wie viel Strom braucht ein KI-Film?

Der größte Hebel ist die Reihenfolge: Entwürfe schnell und klein rechnen, HD nur für fertig geplante Clips. Der HD-Durchgang allein brauchte rund 60 Prozent der Energie.

Ergebnisse und Diskussion

Entstanden sind drei vollständige Fassungen desselben Films, jeweils 13 Clips mit zusammen 2 122 Einzelbildern, 88,4 Sekunden lang, mit Bild, Sprache und Geräuschen aus einem einzigen Modell. Zusammengefügt wurden die Clips per Skript mit FFmpeg. Für eine Schnittfassung von etwa 78 Sekunden mit Titel und gemeinsamen Geräuschen sind Ein- und Ausläufe noch zu kürzen. Der Aufwand verschiebt sich dabei deutlich: weg vom Animieren, hin zum Planen.

Wo es gehakt hat

Bildmodell

Doppelte Küchenzeilen in der Aufsicht, eine Brille, die über die Augen rutscht, fehlende Augen, falsche Bildgröße (1328 × 800 statt 1344 × 768).

Videomodell

Ohne Referenz wechseln die Stimmen von Clip zu Clip. Das Ping klingt jedes Mal anders. Zwei Sprecher in einem Clip werden verwechselt. Die Referenz-Fassung in HD ist rund 3,5-mal langsamer als der Entwurf.

Werkzeuge

Bilder aus Unterordnern werden in ComfyUI rot markiert, obwohl sie laden. Ein Neustart des Containers leert Warteschlange und Verlauf.

Rahmen

Die Lizenz des Videomodells schließt die EU aus. Das Labor ist ein echter Ort. Zwischen den Durchgängen fehlte ein Sichtungsschritt.

Warum der Film hier nicht zu sehen ist

Das Videomodell MiniMax H3 und die davon abgeleitete schnelle Variante FastH3 stehen unter der „MiniMax H3 Community License“ (Stand 2. August 2026). Sie ist frei herunterladbar, aber nicht frei im Sinne einer Open-Source-Lizenz. Die Lizenz nennt „Excluded Territories“, in denen das Modell nicht genutzt werden darf: die Europäische Union, das Vereinigte Königreich, Südkorea und die USA. Diese Beschränkung gilt ausdrücklich auch für die Outputs, also für alles, was mit dem Modell erzeugt wird. Eine Freigabe für die EU ist laut den FAQ des Herstellers nicht vorgesehen; Anfragen sind über die Plattform von MiniMax möglich.

Für das Projekt heißt das: Die H3-Clips sind ein technisches Experiment und werden nicht veröffentlicht. Alle Bilder in diesem Beitrag stammen aus Modellen unter der Apache-2.0-Lizenz (Z-Image Turbo, Qwen-Image-Edit-2511), die eine Veröffentlichung erlauben. Für eine öffentliche Fassung des Films müssten die Clips mit einem Modell unter freier Lizenz – etwa Wan 2.2 – neu gerechnet werden.

Die wichtigste Lehre daraus gilt für jedes KI-Projekt: Die Lizenz eines Modells gehört an den Anfang, nicht ans Ende. „Offene Gewichte“ heißt nicht automatisch „frei nutzbar“.

Keine Rechtsberatung. Lizenztext: MiniMax H3 Community License, Definition 5, Abschnitte II und V.4, Exhibit A.

Verantwortung: Ethik und EU AI Act

Transparenz

KI-generierte Inhalte werden gekennzeichnet – beim Film gleich am Anfang, nicht nur im Abspann; in diesem Beitrag in jeder Bildunterschrift.

Echte Menschen und Orte

Menschen nur von hinten, keine Gesichter, keine echten Identitäten. Das Labor ist ein realer Ort und wird nur mit Freigabe gezeigt.

Stimmen

Keine Stimme einer realen Person wurde geklont. Alle Stimmen entstehen aus Textbeschreibungen.

Urheberrecht

Die Trainingsdaten der Modelle sind nicht offengelegt. Die Figuren sind eigene Entwürfe und bewusst von bekannten Filmfiguren abgegrenzt.

Ressourcen

Rund 9,4 Stunden Rechenzeit bei etwa 90 Watt, zusammen ≈ 0,85 kWh. Entwürfe klein rechnen, HD nur zum Schluss.

Arbeit

Im Kleinen ersetzen die Modelle Sprecher, Animation und Ton. Umso wichtiger ist es, sichtbar zu machen, wie viel menschliche Planung im Ergebnis steckt.

Was der EU AI Act verlangt

Seit 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689. Für einen KI-Kurzfilm sind vor allem zwei Punkte wichtig. Erstens müssen Anbieter generativer Systeme ihre Ausgaben maschinenlesbar als KI-erzeugt markieren – eine Pflicht der Modellhersteller, die lokal betriebene Open-Weight-Modelle oft nicht erfüllen. Zweitens müssen Betreiber offenlegen, wenn sie Deepfakes veröffentlichen, also KI-Inhalte, die realen Personen, Orten oder Ereignissen täuschend ähnlich sind. Ein realistisch dargestelltes Labor nach einem echten Ort kann darunter fallen.

Für künstlerische, fiktionale und satirische Werke reicht eine Offenlegung, die das Werk nicht stört – laut den Leitlinien der EU-Kommission vom Juli 2026 allerdings nicht erst im Abspann. Für Nudelstern hieße das: ein kurzer Hinweis wie „Bild und Ton KI-generiert“ zu Beginn, ein Vermerk in den Metadaten der Videodatei und eine offene Dokumentation der Herstellung – so wie in diesem Beitrag.

Keine Rechtsberatung. Quellen: Verordnung (EU) 2024/1689, Art. 50; Leitlinien der Kommission C(2026) 5054 vom 20. 7. 2026.

Fazit

Ein kompletter 88-Sekunden-Film mit Bild, Sprache und Geräuschen, gerechnet in einer Nacht auf einem Schreibtischgerät mit rund 90 Watt – das ist heute machbar. Die eigentliche Arbeit liegt aber nicht im Rechnen, sondern davor: in einer Geschichte, die trägt, in klaren Kameraregeln, in einem sorgfältig korrigierten Storyboard (es gibt noch Verbesserungspotential) und in exakten Prompts. ComfyUI und ein paar Skripte machen daraus einen wiederholbaren Ablauf.

Technisch funktioniert der Weg. Rechtlich trägt er nur mit Modellen, deren Lizenz den eigenen Standort erlaubt. Und Offenheit gehört dazu: kennzeichnen, Menschen und Orte respektieren, die Herstellung dokumentieren.

„Ich habe das gehört.“

Storyboard-Frame. KI-generiert mit Qwen-Image-Edit-2511.

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